Anlässlich des 63. Internationalen DWV-Kongress wurde der Geschäftsführer der WFT, Klaus Deschka, einige Fragen dazu gestellt, wie die Digitalisierung die Produktionsprozesse in Weingütern verändert.
Dieses Interview wurde im September 21. 2018 veröffentlicht auf der Website des DWV. Es wurde von Dr. Rudolf Nickenig für den DWV angeführt.

Digitalisierung ist das große Thema der INTERVITIS INTERFRUCTA HORTITECHNICA und des 63. Internationalen DWV-Kongresses. Wie bewerten Sie diesen Trend in der Verarbeitungs- und Prozesstechnik und bei Ihrem eigenen Angebot?
Ich finde es großartig, Digitalisierung als Thema aufzugreifen. Besonders in den Bereichen der Gärführung und Prozesssteuerung ist die Digitalisierung bereits sehr weit fortgeschritten. Den Gärverlauf per App ortsunabhängig zu steuern und zu kontrollieren, ist für viele unserer Kunden längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Und dies ist nicht mehr nur ein Wunsch der jüngeren Generation. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Wie groß ist die Nachfrage aus der Branche? Gibt es Betriebe, die sich mit dem Thema überhaupt noch nicht beschäftigen?
Seit ein paar Jahren gibt es ein stark steigendes, internationales Interesse an unseren softwarevernetzten Gärsteuerung-Systemen. Deshalb fühlen wir uns bestätigt, den Trend bereits sehr früh, richtig erkannt zu haben. Einige fortschrittliche Betriebe haben mit uns bereits vor einigen Jahren den Weg Richtung Digitalisierung eingeschlagen. Zukunftsorientierte Kellereien folgen nun schrittweise diesem Kurs. Natürlich gibt es immer noch Winzer, die sich noch nicht ganz damit anfreunden können. Die jüngere Generation wächst mit PC und Smartphones auf. Somit ist es gewiss nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Digitalisierung in allen Betrieben Einzug hält.

Sind digitale Steuerungssysteme für alle Betriebstypen (groß und klein) gleichermaßen wichtig? Was bringt es den Betrieben? Sind die notwendigen Investitionen auch bezahlbar?
Die Betriebsgröße hat durchaus einen gewissen Einfluss auf den Digitalisierungsgrad. In den letzten Jahren haben wir allerdings registriert, dass neben den vielen Großkellereien auch immer mehr Klein- und Mittelbetriebe die Vorteile digitalisierter Gärüberwachung und Prozesssteuerung nutzen möchten. Wir haben unsere Produktreihe daher diesem Trend angepasst. Der Kunde kann auf Wunsch nun stufenweise, mit relativ geringen Investitionskosten, starten und in die Welt der Digitalisierung einsteigen. Es ist also ein sanfter Einstieg, der es dem Betrieb ermöglicht, darauf aufbauend, zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Schritte in die digitale Zukunft zu machen.

Der technische Fortschritt erfolgt oft disruptiv. Gilt dies auch für die Kellertechnik? Liegen weitere quasi revolutionäre Entwicklungen in der Luft?
In der Kellertechnik haben wir schon viele Technologien kommen und gehen gesehen. Das Bessere ist eben immer schon der Feind des Guten. Im Bereich Steuerung und Digitalisierung drehen sich die InnovationsRäder besonders schnell. Durch unsere ambitionierte Entwicklungsphilosophie hat uns dieser Umstand dabei geholfen, heute weltweit ganz vorne zu stehen. Um unsere Position weiter auszubauen, wurde unser Entwicklungsteam 2018 nochmals verstärkt. Und diese Investition hat sich bereits gelohnt. Obwohl wir den Termin für die Einreichung des Innovationspreises leider knapp verpasst haben, stellen wir auf der INTERVITIS eine neue Gärführungs-Technologie vor. Sie ist für die Weinbranche revolutionär und hebt die Gärüberwachung auf ein noch höheres Niveau. Mehr möchte ich jedoch vor der INTERVITIS noch nicht verraten.

Die Ernte ist im vollen Gange. Die Winzer werden eher danach über mögliche neue Investitionen nachdenken. Welche Investitionsstimmung erwarten Sie von den Besuchern der INTERVITIS INTERFRUCTA HORTITECHNICA Anfang November in Stuttgart?
Wir, als Firma WFT, sind seit fast 20 Jahren als Aussteller auf der INTERVITIS vertreten. Wenn ich an unsere Anfänge zurück denke, ist es beachtlich, wie sich die Branche und auch wir weiter entwickelt haben. Um unseren Technologie-Vorsprung dem interessierten Fachpublikum präsentieren zu können, war und ist die INTERVITIS bedeutsam für uns. Aus meiner Sicht ist es für eine erfolgreiche Kellerei, egal ob groß oder klein, wichtig, stets über die neuesten Technologien informiert zu sein. Immerhin geht es bei Investitionen darum, die richtigen Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Nur so kann man sichergehen, in der Zukunft weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Für einen verantwortungsvollen Betriebsleiter bzw. Kellermeister ist es demzufolge fast Pflicht, eine internationale Fachmesse wie die INTERVITIS zu besuchen. Wir sind jedenfalls sehr positiv gestimmt und erwarten auch 2018 wieder eine erfolgreiche INTERVITIS in Stuttgart.